Job Shadowing in Granada (27. 10. – 31.10.2019)

 

Bericht und Film von Kathrin Behrendt

 

Drei Tage EU-finanziertes Job Shadowing in Granada so kurz nach den Herbstferien klingt ein bisschen nach Urlaubsverlängerung. Nele Anders (Spanisch und Englisch) und ich (Englisch und Wirtschaft) wurden von einigen Kollegen daher etwas beneidet.

Was wollen die denn in Spanien? Zur Beantwortung dieser Frage muss ich ziemlich genau ein Jahr zurückgehen.

Im November 2018 fand in Hannover ein eTwinning Kontaktseminar für berufliche Schulen aus Spanien, Polen und Deutschland statt. Seitdem gibt es an unserer Schule das Projekt Spolger4Uth, an dem insgesamt fünf Schulen aus Spanien, Polen und Deutschland beteiligt sind. Angefangen haben wir das Projekt mit der F218C. Die Arbeit am Projekt war für alle Beteiligten trotz der Mehrarbeit eine große Bereicherung und eine interkulturelle Erfahrung der besonderen Art.

Die F218C ist nun nicht mehr an der Schule. Nachfolger ist die BG19C, die nun in internationalen gemischten Teams in einer letzten touristischen Aufgabe das Projekt bis März 2020 zum Abschluss bringen wird.

Unsere einzige spanische Partnerschule, die I.E.S. Vega de Atarfe in Granada, eine berufliche Vollzeitschule mit dem Schwerpunkt Wirtschaft, ist sehr erfahren mit eTwinning Projekten und die „Spolgerlehrkraft“ Rosario Rodriguez, die auch zur Schulleitung gehört, ist sogar eTwinning Botschafterin in Spanien. Hierdurch wurde unser „TwinSpace“, unsere eigene Seite auf der eTwinning Plattform, von Anfang an ziemlich professionell gestaltet.

Im Sommer haben Rosario, Jana Huhn von der BBS Haarentor in Oldenburg und ich uns für das jeweilige nationale Qualitätssiegel beworben, das uns allen auch im Oktober 2019 zuerkannt wurde, ebenso wie das European Quality Label. Darauf sind wir sehr stolz.

Und dann kann man einfach mal so nach Spanien fahren und den Partner besuchen?

Nein, natürlich nicht, aber Erasmus+ unterstützt Lehrkräfte in ihrer internationalen Arbeit durch z.B. die Finanzierung von Job Shadowing. Daher haben wir im Februar 2019 bei unseren zwei großen Erasmusanträgen auch zwei Mobilitäten für Lehrkräfte beantragt, um in der Partnerschule in Granada im Projektunterricht zu hospitieren und zu lernen, wie die Schule die Projekte in das Curriculum und den Schulalltag integriert. Da die Partnerschaft auf persönlicher wie auf professioneller Ebene mit Granada so gut ist, ist auch Nele Anders mitgekommen, um die Grundlagen für einen Schüleraustausch zu legen.

Und was haben wir da genau gemacht?

Montag, 28. Oktober

Rosario hatte sich als Gastgeberin vorab ein sehr umfangreiches Programm ausgedacht, damit wir möglichst viel mitnehmen konnten. Der Tag begann früh um 8:15 Uhr mit der Hospitation eines Unterrichts bei Rosario selbst, in der ein neues Projekt mit Partnern aus Spanien, Polen, Frankreich und Rumänien gerade gestartet hat. Hier geht es um innovative Wirtschaftsunternehmen, Traumberufe und Nachhaltigkeit. Die Klasse besteht aus Schülern, die schon fertig sind mit der regulären Schulzeit. Viele haben das spanische Abitur. Für sie ist dieses Jahr ein Übergang zur Uni oder zum Beruf.

Doch zunächst mussten Nele und ich arbeiten und die Stadt Celle und unsere Schule auf englisch vorstellen. Im Anschluss mussten die Schüler in Gruppenarbeit an Computern eine Präsentation für bestimmte Wirtschaftsunternehmen oder -zweige in Granada und Umgebung ausarbeiten. Gruppenarbeit, so wie wir sie hier auch kennen. Die spanische Schulstunde dauert allerdings 60 Minuten. Doppelstunden gibt es nicht.

Die nächste sich gleich anschließende Einheit bestand in einer einstündigen Präsentation eines gerade abgeschlossenen Projekts mit Norwegen, in dem es um das Schengen Abkommen ging. Isabel stellte uns den TwinSpace vor und alle Aktivitäten. Das Projekt hat uns sehr gefallen, da es auch direkt in das Wirtschaftscurriculum eingebaut war und so viele interessante Apps integriert waren.

Jetzt brauchten wir erstmal eine Pause, die wir zusammen mit der Schulleitungsrunde in der Schulcafeteria verbracht haben. Die Schulleitung besteht aus dem Schulleiter Antonio, seinem Stellvertreter Havier und drei Abteilungsleitern, Alberto, Rosario und Montse.

Nele und ich wurden ausgesprochen nett von dem Team aufgenommen. Der Kaffee war besser als unserer (sorry, Ulli), aber wir waren verwundert über das viele Plastikgeschirr in Zeiten des Klimawandels. Sehr beeindruckt waren wir jedoch von der Sauberkeit der Schule. Das Schulleitungsteam hat sich über mehrere Jahre sehr energisch und sehr erfolgreich selber eingebracht, um die Schüler zu disziplinieren durch Pausenpatrouillen und direkte Konsequenzen. Nun läuft es, die Schüler werfen ihren Müll nur noch in die Mülleimer. Toll. Sauber waren auch die Wände. Das ist der Vorteil von Fliesen. Nachteil daran ist aber definitiv der immense Lärmpegel, der durch nichts gedämmt wird.

Nach der Pause ging es um 11:15 Uhr für mich in einen bilingualen Naturwissenschaftsunterricht in eine Klasse, die aus 13-14jährigen Schülern bestand. Diese Klasse nimmt an einem Chemieprojekt über Marie Curie teil. Die Lehrkraft Sandra begann den Unterricht bemerkenswerterweise mit einer englischen Achtsamkeitsübung mithilfe einer App. Alle Schüler haben mitgemacht, die Augen geschlossen und sich für 5 Minuten auf sich konzentriert. Das hat mich sehr beeindruckt. Danach wurden zunächst Abakus Rechenübungen gemacht, an denen ich mich auch beteiligen sollte, was mich zugegebenermaßen etwas gestresst hat. Es ging alles so schnell. Die Schüler waren allerdings ziemlich super darin. Später ging es dann in die chemischen Versuche, die im TwinSpace für die anderen Länder mit entsprechenden Aufgabenstellungen präsentiert werden sollen (z.B. Um welches chemische Element geht es, wenn die Flamme grün wird? Bitte fragt mich nicht nach der Antwort.)

Rosario und ich verließen den Chemieunterricht und stießen zu Nele und Mariceli (neben Rosario eine sehr interessierte Kandidatin für einen potentiellen Schüleraustausch), die sich im Spanischunterricht in einer Oberstufenklasse mit dem Werk „La Celestina“ von Fernando de Rojas beschäftigten. Das Stück ist von 1499 und erinnert mit den Themen sehr an Shakespeare. Die Schüler präsentierten eine Hausaufgabe, eine Leseübung des altspanischen Textes in verteilten Rollen. Obwohl ich nichts verstanden habe, war ich sehr beeindruckt von der engagierten und guten Performance der Schüler. Das war unglaublich und theaterreif.

Nach einer kurzen Pause überreichten wir Antonio, dem Schulleiter unsere Celler Mitbringsel als Dankeschön für die Bereitschaft seiner Schule, uns für das Job Shadowing aufzunehmen. Schließlich stellte uns dann noch Lourdes, eine sehr engagierte Englischlehrerin, ihr abgeschlossenes eTwinning Projekt über Creative Writing vor. Auch dieses Projekt war prämiert durch Quality Labels und beeindruckte durch die Vielseitigkeit der kreativen Aufgaben und den Einsatz von Apps, von denen Nele und ich noch nie etwas gehört hatten.

Der offizielle Schultag war nun gegen 14:30 Uhr beendet. Unser Kopf schwirrte ob all der Eindrücke und wir waren müde und hungrig. Rosarios Mittags-Tapas bei ihr zu Hause gaben uns neue Kraft und wir waren bereit zum Sightseeing in Granada. Ein Spaziergang ins arabische Viertel, das auf einem Hügel liegt und von wo man einen phantastischen Blick auf die Alhambra und die hohen Berge der Sierra Nevada hat. Wieder unten in der Stadt ging es um die Verkostung von Vino, Bocadillos und Churros, die man in heiße Schokolade eintaucht und dann isst. Dieser Montag war sehr eindrucksvoll und gut, aber auch sehr, sehr anstrengend. Also, nicht so wirklich Urlaub.

Dienstag, 29. Oktober

Um 8:15 Uhr waren wir wieder in Rosarios Klasse, die uns ihre am Vortag vorbereiteten Präsentationen darboten. Wie bei uns hatten sich manche Gruppen mehr Mühe gegeben, uns ihre Region vorzustellen, andere zeigten nur ein paar Bilder und sagten sehr wenig dazu.

Um 10:15 Uhr ging es weiter mit den offiziellen Feierlichkeiten anlässlich der erworbenen Quality Labels für die vielen Projekte an der Schule. Der Musiklehrer sorgte mit einer Glockenspielgruppe und einer Klavierspielerin für die musikalische Untermalung, Rosario stellte mit einem kleinen Film alle Projekte vor. Dann übergaben die Lehrkräfte ihren Schülern die Zertifikate. Da auch unser Projekt Spolger4Uth einen Quality Label erhalten hatte, durfte ich zusammen mit Rosario den spanischen Schülern ihre Urkunden überreichen. Zum Abschluss bedankte sich Antonio noch einmal bei allen Beteiligten für ihr Engagement und auch Nele und ich erhielten eine kleine Urkunde als Zeichen der Wertschätzung. Das hat uns sehr berührt. Darüber hinaus erhielten wir vom Schulleiter noch Präsente aus der Alhambra als Vorbereitung für den Besuch am darauffolgenden Tag.

11:15 Uhr Kaffee und Churros und andere süße Köstlichkeiten in der Cafeteria mit der Schulleitung und den prämierten eTwinning Lehrern. Das war nicht Low Carb J

Im Anschluss hatten Nele und ich Zeit Atarfe anzuschauen, eine kleine Vorstadt von Granada, 9 km vom Zentrum entfernt. Wir waren froh über die Ruhe und die Bewegung nach so viel Trubel und Essen.

Um 13:45 Uhr ging es zu unserer letzten Hospitationsstunde, diesmal bei der Spolger Klasse. Die Schüler erschienen mir wie alte Bekannte, da ich sie ja seit dem letzten Jahr schon von den Skype Konferenzen und ihren Videos kannte. Rosario hat mich in den Unterricht eingebunden, Nele war unsere Fotografin. Dank Uli Kahn ist es uns dann auch nach einigen technischen Schwierigkeiten gelungen, in dieser Stunde eine Skype Verbindung zu meiner neuen Spolger Klasse in Celle aufzubauen. Lea und Robert aus Celle hatten sich netterweise bereit erklärt die Spokesmen für die Klasse zu sein. Zwei spanische Schülerinnen stellten ihre Klasse vor und auch Rosario sprach mit den Schülern in Celle. Wenn solche Skype Verbindungen zwischen den europäischen Partnern klappen, sind sie eine unglaublich gute interkulturelle Erfahrung, die Spaß macht, zumal die Schüler auch gezwungen sind, sich in der Zielsprache zu unterhalten.

Hinterher ging es noch zum Lunch mit Rosario und sehr netten Kolleginnen im Restaurant gegenüber. Dann hieß es bereits Abschied nehmen und Adressen austauschen, da der Mittwoch als reiner Sightseeing Tag geplant war.

Nele und ich fuhren durch den Lunch gestärkt allein nach Granada, um dort die imposante Kathedrale zu besichtigen und natürlich die Alcaiceria, das quirlige Viertel mit den engen Gassen rund um die Kathedrale. Rosario, die noch bis 19 Uhr Konferenzen in der Schule hatte, stieß später zu uns, um uns ihre Lieblings-Tapasbars zu zeigen. Ein weiterer unglaublich voller und beeindruckender Tag ging zu Ende.

Mittwoch, 30. Oktober

10:00 Uhr Treffpunkt Alhambra mit Antonio, dem Schulleiter, der auch Kunstlehrer ist und uns eine 4-stündige Privatführung durch die Alhambra auf Spanisch gab. Nele hatte dabei viel zu tun. Sie war mein Hauptsimultandolmetscher auf Deutsch und Rosario auf Englisch. Die Alhambra ist eine Festungsanlage, die schon im 9. Jahrhundert erwähnt wurde. Das Besondere ist, dass sie von den Mauren, Juden und Christen bewohnt und gestaltet wurde. Alle Religionen haben das jeweils Vorhandene respektiert und bewahrt. Besonders der maurische Stil islamischer Kunst ist aber dominant.

Nach diesem kulturellen Mehrgänge-Menü ging es ans Meer in eine Bucht in der Nähe von Almuñécar zusammen mit Rosario und Mariceli, die auch mitgekommen war, um einen Gedankenaustausch über den geplanten Austausch mit uns zu haben. Hier gab es Paella, Muscheln und Garnelensalat direkt am Strand zwischen Palmen. Nun fühlte sich unser Aufenthalt tatsächlich ein bisschen so wie Urlaub an.

Nele und ich haben während dieser drei Tage sehr viel gesehen, sehr nette Menschen kennengelernt, viel erlebt und über eTwinning und das spanische Schulwesen gelernt. Wir sind dankbar, dass die EU uns die Möglichkeit gegeben hat, eine solche Work Experience zu erfahren und dass unsere Schule diese Aktivitäten auch gutheißt. Auch sind wir guter Dinge, dass die Kooperation mit der I.E.S Vega de Atarfe eine Zukunft hat. Wir planen einen Austausch mit den Klassen 11 und 12 des BG statt Barcelona.

Wie gut ist es doch, dass wir in Europa leben und arbeiten. Nele und ich, und ich denke, ich spreche auch im Namen aller anderen Erasmus+ Lehrkräfte unserer Schule, können nur alle Kollegen und Schüler dazu ermutigen, auch an Erasmus+ Projekten teilzunehmen. Es lohnt sich. Bei Fragen zu eTwinning und Schüleraustausch oder Erasmus+ im Allgemeinen wenden Sie sich gerne an mich.

Für visuelle Eindrücke aus Granada klicken Sie bitte hier, falls Sie den Film noch nicht gesehen haben.

 

Kathrin Behrendt
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